Bibelschule

Der Messias im Alten Testament – ein Mythos oder Realität?
Ein kurzer Einblick in 1. Mose 4,1!

Der Messias im Alten Testament – ein Mythos oder Realität?
Ein kurzer Einblick in 1. Mose 4,1!

Wenn wir an den Messias im Alten Testament denken, fällt uns meistens Jesaja 53 ein, vielleicht auch noch ein paar andere Stellen. Aber wusstest du, dass der Messias schon in den ersten Kapiteln der Bibel Erwähnung findet? Bereits in 1.Mose 3,15 wird von einem zukünftigen Retter gesprochen – hier taucht die allererste messianische Prophetie auf. Und obwohl die Textabschnitte über die Jungfrauengeburt bis zur Jesajazeit noch nicht ganz begriffen wurden, war dennoch klar, dass ein Gott-Mensch erwartet wurde.

Unser Augenmerk wollen wir jedoch auf einen anderen Vers legen: 1.Mose 4,1, denn wenn man die hebräische Übersetzung zu Rate zieht, liest man folgendes:

Und der Mensch erkannte seine Frau Eva,
und sie wurde schwanger und gebar Kain;
und sie sagte:
Ich habe einen Mann hervorgebracht:
Jahwe.

(Elberfelder Übersetzung 2003 Edition CSV Hückeswagen)

Ist uns eigentlich klar, was Eva hier sagt? Eva war es sehr wohl bewusst, dass der in 1.Mose 3,15 beschriebene Schlangentreter ein Gott-Mensch sein würde. Die Theologie Evas stimmt wohl, jedoch liegt ihr Fehler bei der Anwendung dieser Theologie: Sie geht davon aus, dass Kain dieser Gott-Mensch, der Messias, sein würde. Dass sie ihren Fehler schnell bemerkt wird bei Abel mehr als deutlich, denn Abel bedeutet „Nichtigkeit“.

Dieser Vers ist jedoch auch für Gelehrte eine große Herausforderung. So kann man in der Midrasch Rabbah 22,2 folgendes lesen:

Rabbi Ishmael fragte Rabbi Akiba: „Da du Nahum von Ginzo 22 Jahre lang gedient hast und er gelehrt hat, dass jedes ‚ach‘ und ‚rach‘ eine Begrenzung, aber jedes ‚et‘ und ‚gam‘ eine Erweiterung ist, sage mir, was der Sinn des ‚et‘ hier ist.“ Er antwortete: „Wenn gesagt wird ‚Ich habe einen Mann bekommen: den Herrn‘, wäre es schwierig auszulegen, darum ist ‚et‘ ‚mit der Hilfe des Herrn‘ erforderlich.

Dies macht deutlich, dass selbst Rabbiner die mehr als deutliche Aussage dieses Verses verstanden haben und deshalb Anpassungen an den Text machen mussten.

(Informationen aus: Fruchtenbaum, Arnold G. Ha-Maschiach. Der Messias in den hebräischen Schriften. 3. Auflage. Düsseldorf: CMV, 2020)