Der Berg der Versuchung

Deror_avi • CC BY-SA 3. Der Berg der Versuchung. An seinem Hang befindet sich heute das griechischorthodoxe Kloster Qarantal (aus Wikipedia)

Bevor Jesus seinen Auftrag erfüllen konnte, musste er durch die Wüste der Versuchung. Vor unserer Auftrag, den uns Gott erteilt hat, steht auch immer wieder die Versuchung und die Wüste. Aber wenn unser Leben im Moment aussieht wie dieser Berg in der Wüste nahe Jerichos. Wenn wir die Versuchung (erfolgreich) überstanden haben, kommen wir neu rein in die Vision Gottes für unser Leben.

Lass uns in der Versuchung an die Vision Gottes für unser Leben denken.

14 Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes zurück nach Galiläa; und das Gerücht von ihm verbreitete sich durch die ganze umliegende Gegend.

Lukas 4,14

Franz Werfel – Der Taumelbecher

Franz Werfel, fotografiert 1940 von Carl van Vechten (aus Wikipedia)

Franz Werfel schrieb in seinem Buch Jeremias, Höret die Stimme, in dem er das Leben Jeremias nacherzählte, über eine Zeit, in der es ihm schwerfiel die Stimme Gottes zu hören und zu verstehen.

Dunkel blieb, was sich im Weltlauf vorbereitete. Doch Dunkel herrschte auch wieder zwischen Adonai und Jirmijah. Zwar wußte der Ausgesonderte schon, daß es keine Treulosigkeit des Herrn gab. Wie schwer aber ertrug einer, der die jähen Blitze der Erleuchtung kennengelernt hatte, die langen Dämmerungen der »Undeutlichkeit«. Jirmijah gab sich keiner Täuschung hin. Nicht Gott war undeutlich, sondern der Mensch. Er selbst hatte ein schweres Gehör, ein schwaches Auge, einen undurchlässigen Leib. Der Herr und er waren ganz und gar zweierlei. Sie standen, ein jeder allein, wie auf zwei weit entfernten Gipfeln und riefen einander Rufe zu und gaben einander gegenseitig Zeichen, die der Mensch freilich meist ohnmächtig war zu verstehen. Zwischen ihnen lag eine unüberwindbare Ferne, die ganze Welt der Wesen, ein wildes Gestrüpp. Zwischen ihnen lag das Wort der Menschensprache, verbindend und trennend, eine schwanke geländerlose Brücke, deren Bohlen in der Mitte geborsten sind. Wer konnte sich auf dieser Brücke weit vorwagen? Jirmijah, der nichts heißer als Klarheit liebte, empfing dämmervolle Worte und Zeichen. Er empfing sie überraschend, wenn er nicht fragte. Fragte er aber, wie jetzt, dann empfing er nichts als Adonais große Undeutlichkeit, die immer da war.

Franze Werfel – Höret die Stimme – Der Taumelbecher

Manchmal geht es uns auch ähnlich. Es fällt uns schwer unsere alte Klarheit wiederzufinden, das Reden Gottes bleibt undeutlich und verschwommen.

Und dann kommen Zweifel. Wir haben eine andere Erfahrung gemacht aber die scheint uns undeutlich und unwirklich.

Da hat mir Gott dieses Wort gegeben.

Gott ist kein Mensch, der lügt. Er ist kein Mensch, der etwas bereut. Hat er je etwas gesagt und nicht getan? Hat er je etwas versprochen und es nicht wahr gemacht?

4. Mose 23,19

Wenn wir unser Leben in der Rückschau sehen, nicht in den Höhen und Tiefen des Alltags, dann sehen wir dass er treu war und dass er ein Ziel in unserem Leben verwirklicht.

Alexander Solschenizyn – Gebet für Russland

Vater unser, der Du bist der Allergnädigste!

Wende Dich nicht von Deinem Russland ab, dem geliebten,

Deinem leidgeprüften Land in seinem heutigen Erstarren,

mit seinen vielen Wunden, in seiner Verarmung

und in der Verwirrung seines Geistes.

Gott der Allmächtige!

Lasse nicht zu, dass es Russland nicht mehr geben sollte,

dass es aufhören könnte zu sein.

Wie viele aufrichtige Herzen

und wie viele Talente

hast Du unter den russischen Menschen verteilt.

Lasse nicht zu, dass sie alle in der Finsternis verschwinden,

ohne in Deinem Namen gewirkt haben zu können!

Aus den Tiefen des Unheils –

erlöse Dein Volk, das unbeständige.

Gebet von Alexander Solschenizyn, entstanden zwischen 1996 und 1999.
[zitiert nach: Alexander Solschenizyn, Was geschieht mit der Seele in der Nacht.Kurzerzählungen. Herbig, 2006]